Kurz gesagt: Ein vollständiges SEO-Onboarding klärt: deine Ziele, deine Kunden, dein Angebot, was auf deiner Website schon existiert, deine Regeln für Sprache und Fachwissen, wie veröffentlicht wird, den Zugang zur Google Search Console, wer was freigeben darf und wie Erfolg gemessen wird. Fehlt das, kann sogar ein gut geschriebener Text am eigentlichen Ziel vorbeigehen.
Warum das Onboarding so wichtig für die Qualität ist
Beim Schreiben eines Textes müssen ständig Entscheidungen getroffen werden: Ist diese Frage wichtig? Passt sie zu deinem Angebot? Welche Wörter benutzt dein Unternehmen? Was darf man so sagen? Wohin soll der Leser danach weiterklicken? Ohne aufgeschriebene Antworten wird jeder Text zur Extra-Arbeit mit vielen Rückfragen oder zu einer reinen Vermutung.
Das Onboarding bringt dein Wissen einmal in eine Form, die man immer wieder nutzen kann. Es ist also keine lästige Pflicht, sondern die Grundlage für eine gute Content-SEO-Automatisierung.
1. Ziel festlegen: Was soll am Ende passieren?
„Mehr Besucher" reicht als Ziel nicht aus. Wichtig ist, was die Leute am Ende tun sollen: etwas kaufen, eine Anfrage stellen, einen Termin buchen, sich anmelden oder eine wichtige Seite besuchen. Dieses Ziel bestimmt, welche Themen und Links sinnvoll sind.
- Welches Angebot soll gestärkt werden?
- Was soll der Leser am Ende konkret tun?
- Auf welche Seiten soll der Leser am Ende landen?
- Welche Themen oder Kundengruppen sind besonders wichtig?
2. Deine Kunden und ihre Fragen beschreiben
Nur „Frauen, 30 bis 50" zu wissen, hilft wenig. Wichtiger ist: Was wissen sie schon? Was fragen sie oft? Ein Anfänger braucht andere Erklärungen als jemand vom Fach. Ein Onlineshop beantwortet andere Fragen als ein Handwerksbetrieb vor Ort.
Schreib echte Fragen auf, die du aus Beratungsgesprächen, E-Mails, Kundenservice und der Google Search Console kennst. Diese echten Sätze sind meist hilfreicher als eine ausgedachte Musterperson. Später kann man diese Fragen dann nach Thema sortieren.
3. Dein Angebot und deine Grenzen aufschreiben
Ein Text darf nur versprechen, was dein Unternehmen wirklich kann. Dazu gehört: Was genau bietest du an? In welchen Regionen? Für wen? Was ist ausgeschlossen? Genauso wichtig sind klare Grenzen: Was ist nicht dabei? Welche Wirkung kannst du nicht garantieren? Bei welchen Aussagen muss unbedingt jemand vom Fach draufschauen?
Allgemeine Regeln für deine Marke: Sie legen fest, wie geschrieben wird, welcher Ton passt und wer was freigeben muss. Das ist keine einzelne Textvorlage, sondern eine Regel, die für alle künftigen Texte gilt.
4. Deine Website und bestehende Texte sichten
Bevor neue Texte entstehen, sollte man erst einen Überblick haben: Welche Seiten gibt es schon? Welche Ratgeber-Texte? Welche Seiten stehen schon gut bei Google? Sonst entstehen doppelte Themen oder Links, die ins Leere führen.
- Welche Seiten erklären deine wichtigsten Angebote?
- Welche Texte gibt es schon, und wann wurden sie zuletzt geprüft?
- Welche Seiten werden bei Google schon oft angezeigt oder angeklickt?
- Wo fehlt noch ein guter Link vom Ratgeber-Text zum passenden Angebot?
- Welche Texte sollte man zuerst verbessern, statt neue zu schreiben?
Eine sinnvolle Verlinkung zwischen deinen Seiten lässt sich erst planen, wenn diese Ziele bekannt sind.
5. Fachwissen und Schreibstil bereitstellen
Hilfreich sind: Produktunterlagen, Beschreibungen deiner Leistungen, häufige Kundenfragen, Studien und dein eigenes Erfahrungswissen. Widersprüchliche oder veraltete Unterlagen sollten vorher aussortiert werden.
Für den Schreibstil reicht ein Wort wie „professionell" allein nicht. Besser sind klare Regeln: Duzen oder Siezen? Kurze oder ausführliche Sätze? Welche Fachwörter kennt deine Zielgruppe schon? Welche Wörter sollen vermieden werden? Wer trägt am Ende die fachliche Verantwortung?
6. Festlegen, wie veröffentlicht wird
Für WordPress oder Shopify braucht es eine geprüfte Verbindung zu deinem Website-System. Ohne eigenes System können fertige Texte auch von Hand eingefügt oder auf einem eigenen Blog veröffentlicht werden. Wichtig ist außerdem:
- Erst als Entwurf, dann Freigabe: sinnvoll bei heiklen Themen oder wenn mehrere Personen mitentscheiden.
- Direkt veröffentlichen: sinnvoll, wenn das Thema unkritisch ist und die Regeln schon klar sind.
Deine Website muss dafür technisch in Ordnung sein, auf dem Handy gut aussehen und von Google gefunden werden können. Gute Texte reparieren keine kaputte Website.
7. Die Google Search Console anbinden
Die Google Search Console (ein kostenloses Google-Werkzeug) ist für die ersten Texte nicht zwingend nötig, aber wichtig, damit du später dazulernst. Sie zeigt dir: Wie oft wurde eine Seite gezeigt? Wie oft wurde sie angeklickt? Auf welchem Platz steht sie? So erkennst du Chancen und Probleme.
Dafür muss dein Konto bei Google bestätigt sein. Das System kann prüfen, ob eine Seite schon bei Google gelistet ist. Eine sofortige Aufnahme kann aber niemand garantieren, auch Google selbst nicht. Mehr dazu findest du in Googles eigener Einführung in die Search Console und bei erneutes Überprüfen anfragen.
8. Wer darf was entscheiden?
Lege vor dem Start fest: Wer schlägt Themen vor? Wer pflegt das Fachwissen? Wer prüft Entwürfe? Wer gibt am Ende frei? Eine unklare Freigabe ist einer der häufigsten Gründe, warum sich alles verzögert.
- Wer ist die Hauptansprechperson für das Projekt?
- Wer prüft heikle oder fachliche Aussagen?
- Welche Änderungen dürfen ohne extra Nachfrage passieren?
- Wie schnell kann eine Freigabe realistisch erfolgen?
- Wer bekommt die Auswertungen und entscheidet, was als Nächstes wichtig ist?
9. Vereinbaren, wie und wann Erfolg gemessen wird
Neue Texte brauchen Zeit, bis Google sie findet und einordnet. Deshalb sollte man vorher die Ausgangswerte aufschreiben und immer vergleichbare Zeiträume anschauen. Eine gute Messung trennt: Wird die Seite gesehen? Wird sie besucht? Bringt sie am Ende wirklich Geschäft?
Im Beitrag zur SEO-Wirtschaftlichkeit erklären wir, warum Klicks, Käufe und Kosten unterschiedliche Dinge sind, die man nicht durcheinanderwerfen sollte.
Die kurze Checkliste zum Abhaken
- Ziel und wichtigste Angebote
- Zielgruppen, typische Fragen
- Was du anbietest, und deine Grenzen
- Überblick über Website und bestehende Texte
- Sprache, Schreibweisen und Fachquellen
- Wie und wo veröffentlicht wird
- Entwurf oder direkt online
- Google-Search-Console-Zugang, falls vorhanden
- Ziele für Links zwischen deinen Seiten
- Wer entscheidet und wie schnell
- Ausgangswerte und wann Erfolg geprüft wird
Häufige Fragen
Braucht man schon eine Liste mit Suchbegriffen?
Nein. Eine vorhandene Liste kann helfen, sollte aber mit deinem Angebot und echten Daten abgeglichen werden.
Kann ein Projekt ohne eigenes Website-System starten?
Ja. Texte können auch von Hand eingefügt oder über einen eigenen Blog veröffentlicht werden.
Wie lange dauert so ein Onboarding?
Das hängt von deiner Website und deinen Zugängen ab. Je vollständiger deine Angaben sind, desto schneller geht es.
Dein Projekt gut vorbereiten
Im Beratungsgespräch schauen wir uns gemeinsam deine Themen, deine Website und den passenden Ablauf an.
So genau muss eine gute Regel wirklich sein
„Professionell schreiben und nichts Falsches sagen" ist keine Regel, die man wirklich prüfen kann. Für ein Beispiel-Unternehmen könnte man daraus so etwas machen:
Ton
Ruhig, direkt, fachlich. Leser werden gesiezt. Keine Ausrufezeichen in Überschriften, keine übertriebenen Wörter wie „der beste überhaupt".
Belege
Zahlen nur mit Quelle und Datum. Produkt-Angaben nur aus einem freigegebenen Dokument. Beispielrechnungen werden klar als Beispiel gekennzeichnet.
Wer muss freigeben
Preise, Verträge, Sicherheit und rechtliche Aussagen gehen immer zur zuständigen Fachperson. Einfache, stabile Themen dürfen nach normaler Prüfung direkt online.
Wer ist zuständig
Marketing kümmert sich um Ziel und Ton, die Fachabteilung um die Richtigkeit, SEOTHON um den ganzen Ablauf und die Prüfung.
Genauso wichtig: Wenn ein bestehender Text zwar gut ist, aber nicht zum gewünschten Ton passt, sollte er nicht gleichzeitig als Stil-Vorbild und als Qualitäts-Vorbild gelten. Das Onboarding trennt deshalb: Was ist eine gute Quelle für Fachwissen? Was ist nur ein Beispiel für den Ton? Was sind feste Produkt-Daten?
SEOTHON-Regel: Eine Regel funktioniert erst, wenn eine außenstehende Person erkennen kann, ob sie eingehalten wurde, wer bei Zweifeln entscheidet und was bei Unsicherheit passiert.
Quellen
- Kristina Halvorson und Melissa Rach: Content Strategy for the Web. Grundlage für Zuständigkeiten und den ganzen Ablauf eines Textes.
- Ann Handley: Everybody Writes. Grundlage für klare Qualitäts-Regeln.
Das Beispiel-Unternehmen ist frei erfunden. Die Regel-Struktur ist eine eigene Arbeitshilfe von SEOTHON.