SEO für Steuerberater heißt nicht, bei „Steuerberater Chemnitz“ auf Platz 1 zu stehen. Es heißt, die Fragen zu beantworten, die Mandanten vor dem Erstgespräch googeln, und mit dem Google-Unternehmensprofil lokal sichtbar zu sein. Eine Kanzlei-Website gewinnt neue Mandanten über drei Bausteine: Leistungsseiten für die Kaufsuche, Ratgeber für die Fragen davor und ein gepflegtes Unternehmensprofil für die Suche nach Ort. Alles davon ist mit dem Berufsrecht vereinbar, solange es sachlich bleibt.

Wonach suchen Mandanten, bevor sie eine Kanzlei anrufen?

Mandanten suchen in zwei Phasen. In der ersten Phase haben sie ein Problem und noch keinen Berater im Kopf: „Wann lohnt sich eine GmbH“, „Belege aufbewahren wie lange“, „Steuerberater Kosten Einzelunternehmen“, „Betriebsprüfung was wird geprüft“. In der zweiten Phase suchen sie den Berater selbst: „Steuerberater in der Nähe“, „Steuerberater für Ärzte“, „Steuerberater Existenzgründung Chemnitz“.

Fast alle Kanzlei-Websites sind nur für die zweite Phase gebaut. Dort konkurrieren sie mit jeder anderen Kanzlei der Stadt um dieselben fünf Begriffe. Die erste Phase bleibt frei, obwohl dort die meisten Suchen stattfinden. In einer Fallstudie von SEOTHON an einem kleinen Onlineshop kamen 97 Prozent der Klicks über solche Fragen vor der Entscheidung. Für Kanzleien gibt es keine vergleichbare Messung, das Muster der Suchanfragen ist aber dasselbe.

Welche drei Bausteine braucht eine Kanzlei-Website?

Drei Bausteine decken beide Suchphasen ab. Sie bauen aufeinander auf, und die Reihenfolge ist nicht zufällig.

  1. Leistungsseiten für die Kaufsuche: je Schwerpunkt eine Seite, zum Beispiel Jahresabschluss, Lohnbuchhaltung, Existenzgründung, Steuerberatung für Ärzte. Jede Seite beantwortet, für wen die Leistung ist, was sie umfasst, wie der Ablauf aussieht und wovon das Honorar abhängt. Eine Seite, die nur „Wir beraten Sie gern“ sagt, rankt für nichts.
  2. Ratgeber für die Fragen davor: die zwölf Fragen, die im Erstgespräch immer wieder fallen, je Frage ein Artikel mit vollständiger Antwort und einem Link zur passenden Leistungsseite. Wie diese Liste entsteht, steht im Beitrag Blog-Themen für Steuerkanzleien.
  3. Google-Unternehmensprofil für die Suche nach Ort: Kategorie Steuerberater, Öffnungszeiten, Leistungen, Fotos, Bewertungen. Bei „Steuerberater in der Nähe“ entscheidet das Profil, nicht die Website.

Verbunden werden die drei Bausteine durch interne Links: Jeder Ratgeber verweist auf die Leistungsseite, jede Leistungsseite auf die passenden Ratgeber. So führt der Weg von der Frage zur Kanzlei.

Wo verlieren Kanzlei-Websites die meisten Mandanten?

Aus den Websites, die wir in Projekten und Analysen gesehen haben, wiederholen sich fünf Fehler. Keiner davon ist teuer zu beheben.

FehlerWas passiertWas hilft
Eine Seite für alle LeistungenGoogle kann die Seite keiner konkreten Suche zuordnenJe Schwerpunkt eine eigene Seite mit eigener Überschrift
Kein PreisrahmenSuchende mit der Frage „was kostet“ springen abHonorarfaktoren erklären, Spannen nennen, auf die Gebührenverordnung verweisen
Keine RatgeberDie erste Suchphase findet ohne die Kanzlei stattZwölf Mandantenfragen als Artikel
Unternehmensprofil ungepflegtFalsche Öffnungszeiten, keine Bewertungen, keine LeistungenEinmal vollständig ausfüllen, monatlich prüfen
FachspracheMandanten suchen „Belege aufheben“, die Seite sagt „Aufbewahrungsfristen gemäß AO“Beides nennen: zuerst die Alltagsformulierung, dann den Fachbegriff

Was ist bei SEO für Steuerberater berufsrechtlich erlaubt?

Steuerberater dürfen werben, sachlich und berufsbezogen. Eine Website mit Leistungsseiten, Ratgebern und Preisrahmen ist genau das. Drei Regeln halten den Rahmen ein.

  1. Allgemein informieren, nie den Einzelfall beraten. Ein Ratgeber erklärt, wann eine GmbH sinnvoll sein kann, er empfiehlt sie nicht für den Leser persönlich. Der Hinweis „Ob das in Ihrem Fall gilt, klärt ein Erstgespräch“ gehört in jeden Artikel.
  2. Keine Erfolgsversprechen und keine vergleichende Herabsetzung anderer Kanzleien.
  3. Jeden Fachartikel von einem Berufsträger freigeben lassen und mit Datum versehen. Bei Rechtsänderungen den Bestand prüfen, statt neue Artikel zu stapeln.

Diese Sorgfalt ist zugleich das, was Google bei Finanzthemen sehen will: einen erkennbaren Autor mit Qualifikation, aktuelle Inhalte und nachvollziehbare Quellen.

Wie misst eine Kanzlei, ob SEO wirkt?

Drei Zahlen reichen, alle kostenlos. Die Google Search Console zeigt, für welche Suchen die Website erscheint und wie oft geklickt wird. Das Unternehmensprofil zeigt Anrufe und Routenanfragen. Das Sekretariat zählt die Erstgespräche und fragt, wie der Mandant auf die Kanzlei gekommen ist.

Realistisch sind erste sichtbare Effekte nach acht bis zwölf Wochen, stabile Anfragen nach sechs Monaten. Wer die Wirtschaftlichkeit vorher durchrechnen will, findet im Beitrag SEO-Wirtschaftlichkeit berechnen die vier Zahlen dafür. Für Kanzleien gilt dabei ein besonderer Hebel: Ein Mandat läuft über Jahre, der Wert eines einzigen gewonnenen Mandanten übersteigt die SEO-Kosten eines Jahres oft deutlich.

Selbst machen, Agentur oder Automation?

Die Leistungsseiten und das Unternehmensprofil macht eine Kanzlei einmal selbst, das sind zwei Tage Arbeit. Die Ratgeber sind der Teil, der Durchhaltevermögen braucht: zwei Artikel im Monat, jeder fachlich freigegeben, jedes Jahr aktualisiert. Genau daran scheitern Kanzleiblogs nach dem dritten Beitrag.

Dafür gibt es drei Wege: selbst schreiben, eine Kanzleimarketing-Agentur beauftragen oder einen Content-Betrieb nutzen, der Themen aus Suchdaten findet, Entwürfe aus dem Fachwissen der Kanzlei erstellt und erst nach Freigabe des Berufsträgers veröffentlicht. Den Vergleich der drei Wege mit Kosten über zwölf Monate zieht der Beitrag SEO-Texte schreiben lassen.

Häufige Fragen

Wie viel kostet SEO für Steuerberater?

Die Grundlagen, Leistungsseiten und Unternehmensprofil, kosten vor allem Zeit, etwa zwei Arbeitstage. Laufende Ratgeber kosten je nach Weg zwischen 80 Euro im Monat für einen automatisierten Betrieb und 1.500 bis 3.000 Euro im Monat für eine Agentur. Entscheidend ist die Rechnung gegen den Wert eines Mandats, das über Jahre läuft.

Lohnt sich SEO für eine kleine Kanzlei mit vollem Mandantenstamm?

Ja, aus zwei Gründen. Eine Kanzlei mit Wartezeit kann sich Mandate aussuchen und über die Website die Schwerpunkte anziehen, die sie will, etwa Ärzte oder Gründer. Und Ratgeber entlasten das Sekretariat, weil häufige Fragen als Link beantwortet werden können, statt am Telefon.

Darf eine Steuerkanzlei Preise auf der Website nennen?

Ja. Die Steuerberatervergütungsverordnung gibt den Rahmen vor, und eine Kanzlei darf erklären, wovon das Honorar abhängt und in welcher Spanne es typischerweise liegt. Suchende mit der Frage nach Kosten sind die kaufnächsten Besucher, eine Website ohne jede Preisangabe verliert sie an die nächste Kanzlei.

Zum Branchenüberblick: Lohnt sich SEO für Beratungs- und Rechtsberufe? Zur Themenfindung: Blog-Themen für Steuerkanzleien finden.